Egon Schiele – Eros, Tod und Schmerz

Zamieszczony przez dnia Paź 15, 2018 | 0 komentarzy

Egon Schiele – Eros, Tod und Schmerz

 

„Alles ist der lebende Tod”

 

Zum 100. Todestag 31 Oktober

 


Neben Gustav Klimt und Oskar Kokoschka zählt er zu den bedeutendsten Künstlern der Wiener Moderne: Egon Schiele – Enfant terrible der österreichischen Künstlerszene. Seine Werke erzielen heute Höchstpreise auf dem internationalen Kunstmarkt und werden in den grössten Museen der Welt ausgestellt.

Schiele ist am 31. Oktober 1918 im Alter von nur 28 Jahren gestorben. Sein Todestag jährt sich jetzt also zum 100. Mal, und dies ist der Anlass, um einen Blick in Horoskop zu werfen und die inneren und aüsseren Spannungen eines Malers, der von früher Jugend an unerschütterlich seinen Weg ging, näher zu betrachten.

Um die Wende ins 20. Jahrhundert rebellierten die jungen Künstlers gegen die Akademie und schockierten mit revolutionären Bildern die Gesellschaft. Schonungslos zeigten sie den Menschen, seine Schönheit und Hässlichkeit, seine Hinfälligkeit. Einer der am weitesten ging, war Egon Schiele, der unerbittlich in der Entblößung des menschlichen Körpers war.

 

Egon Schiele


Schiele ist am 12 Juni 1890, mit einer Sonne/aufsteigender Mondknoten-Konjunktion im zwölften Haus geboren (Fig. 1.) – wenige Tage vor einer Sonnenfinsternis,. Dies zeigt oft eine schicksalhafte Bestimmung an.
Schieles Kindheit wird von einem dynamischen, aber unsteten Widder-Mond, der ein T-Quadrat mit Uranus Ende vier und Venus/Chiron am AC bildet. Dies bestimmt Schieles Persönlichkeit: Als Kind scheu und reserviert, beginnt er früh sein aussergewöhnliches Talent zu offenbaren. Bereits mit zweieinhalb Jahren zeichnet der kleine Egon eifrig, am liebsten Eisenbahnen.
Sein Vater verstirbt am Neujahrstag 1905 an Syphilis – Uranus im vierten Haus weist auf die Zerstörung der Familienstruktur und zusammen mit der Sonne im zwölften Haus auf das Verschwinden des Vaters hin. Dieser verbrennt in einem Anfall von Wahnsinn seine Eisenbahnaktien und hinterlässt Frau und Kinder mittellos…

 

 

Der Weg des Künstlers


Kurz danach wird der junge Egon in die Wiener Akademie der bildenden Künste aufgenommen. Er ist 16 Jahre alt.
1905/1906 transitiert Pluto über seine Sonne/Mondknoten-Konjunktion, was auf eine tiefe und radikale Transformation hinweist. Pluto ist mit dem Stirb-und-Werde-Prozess verbunden, er steht für den Tod – wörtlich und im übertragenen Sinne. Die Sonne wiederum gilt als Symbol des Vaters und des eigenen Egos.

 

Gustav Klimt


1907 lernt er Gustav Klimt kennen (Transit-Pluto am aufsteigenden Mondknoten –wichtige Begegnungen), in der Direktion steht die Konjunktion Merkur/Neptun/Pluto auf der Radix-Sonne. Klimt erkennt schon bei der erster Begegnung die grosse Begabung des jungen Kollegen, fördert ihn und wird sein väterlicher Freund.
Merkur/Neptun/Pluto-Konjunktion im elften Radix-Haus (bei den Koch-Häusern noch deutlicher) verweist auf die grosse Rolle von Freundschaften in Schieles Leben – neben Klimt ist er auch mit Max Oppenheimer, Anton Peschka und Arthur Roessler befreundet.

1909 verlässt Egon Schiele die Akademie und gründet die Neukunstgruppe, die kurz darauf ihre erste Ausstellung veranstaltet. Beim Publikum lösen jedoch seine Werke Abscheu und Feindseligkeit hervor. In dieser Zeit hat er seinen Mondknoten-Return, was immer bedeutende Ereignisse und Wendungen im Leben markiert. Dazu läuft Uranus in das siebte Haus (das Publikum) und bildet eine Opposition zu Radix-Venus/Chiron und Quadrat zum Radix-Mond – das Publikum ist aufgeregt und geschockt, das ist für den Maler frustrierend. Saturn steht in dieser Zeit auf dem Radix-Mond im zehnten Haus und bildet ein Quadrat zu Radix-Venus, was auf Kritik, Selbstzweifel und Frustration hinweist.

 

Der Bruch mit Traditionen


Im Jahre 1910 läuft Neptun – Symbol der Inspiration, Kunst, Sensitivität sowie Grenzüberschreitung und –auflösung – über den AC und die Konjunktion Venus/Chiron: Schiele findet zu seiner ganz eigenen, einzigartigen Ausdrucksweise: seinem Stil. In einem Brief schreibter im November 1910 die berühmten Worte Ich bin durch Klimt gegangen durch März. Heute, glaub’ ich, bin ich der ganz andere.
Jetzt folgt seine Kunst nicht mehr ästhetisch-dekorativen Konventionen des Jugendstils, er vollzieht die Wende zu einem Expressionismus radikaler Art. Seine Landschaften, Aktdarstellungen und Gemälde sind von grosser Direktheit und Ungeschminktheit, oftmals depressiven Grundstimmung.
Schiele macht den Körper und Körpergebärden zum Bildgegenstand. Betörende Schönheit und tragische Hässlichkeit, luzide Lineatur und transparente Koloristik verbinden sich in den gespannten und doch zerbrechlichen Figuren zu einer sinnlichen Wahrheitsfindung hinter allem schönen Schein (Rudolf Leopold). Die Erd-Zeichen sind in Schieles Radix unbesetzt und in den Erd-Häusern steht (abgesehen von Lilith) nur der Mond – wie soll so jemand Sinn für Ordnung, Struktur und Regeln entwickeln?
Uranus im vierten Haus weist auf dem Bruch mit Traditionen, seine Oppositition zum Mond auf innere Spannungen und sein Quadrat zur Venus auf eine unkonventionelle Ästhetik.

 

 

Die Verhaftung


Doch er fühlt sich nicht wohl in Wien und klagt: Wien ist Schatten, die Stadt ist schwarz… 1911 zieht er gemeinsam mit seinem Modell und späteren Lebensgefährtin, nach Krumau, die Heimatsstadt seiner Mutter, wo er sich bessere Arbeits- und Lebensbedingungen erhofft. Aber die Bevölkerung ist gegen sie und sie ziehen bald nach Neulengbach.
Uranus und das T-Quadrat finden hier Ausdruck: Uranus im vierten Haus bringt Ruhelosigkeit und viele Umzüge. Egon und Wally, in wilder Ehe lebend, rufen Misstrauen bei der Dorfbewohnern hervor. Häufig sind junge Mädchen aus dem Dorf in Schiele Haus, die den Eltern berichten, dass der Maler sie nackt gezeichnet habe.

Am 13 April 1912 wird Egon Schiele verhaftet und in das Bezirksgefängnis gebracht.
Es sind astrologisch prägnante Tage: der Transit-Uranus steht an der Spitze des achten Radix-Hauses: Mit seinem unkonventionellen Leben gerät der Maler in grosse Schwierigkeiten.
Vier Tage danach, am 17 April, findet eine Sonnenfinsternis auf der Spitze des elften Hauses statt. Der Mondknoten läuft über den Radix-Mond, womit das T-Quadrat wird wieder aktiviert wird.
Die Anklage lautet auf Kindsentführung und Missbrauch. 24 Tage Untersuchungshaft. Ein traumatisches Erlebnis für Schiele. Doch die Anklage erweist sich als haltlos.

Der Maler wird lediglich wegen Verbreitung unsittlicher Zeichnungen zu drei Tage Arrest verurteilt, die mit der U-Haft abgegolten sind. Schiele sieht sich in der Rolle des Verfolgten. Doch er lässt sich nicht einschüchtern. Zur damaligen Zeit und im streng katholischen Österreich müssen seine Bilder provozieren. Er sagt: Die Urkräfte des Geschlechtlichen sind eben nicht zu unterdrücken.
Klaus Albrecht Schröder – Direktor der Albertina in Wien – meint, dass die Nacktheit von Schieles Modelles irrtümlicherweise oft nur als Erotik und Sex gesehen werde, doch in seinen Akten, Selbstportraits und Mädchenzeichnungen komme die existentielle Einsamkeit des Menschen zur Darstellung, ein „sakralisiertes Elend des Menschseins“, die Geworfenheit der Individuen. – Merkur/Neptun/Pluton-Konjunktion im Trigon zu Jupiter im achten Haus in Wassermann.

 

Der Weg zum Expressionismus


Im Gegensatz zu Klimt, der seine erotischen Zeichnungen im privaten Bereich belässt, sind Schieles Zeichnungen durchaus für den Verkauf und damit die Öffentlichkeit gedacht.
Bald hat er den Ruf, ein vom Erotischen besessener Künstler zu sein (Lilith im zweiten Haus im Trigon zu Mars in Schütze im fünften Haus). Er malt Frauen und Männer, Junge und Alte, Schönheit und Hässlichkeit, Lust und Leid. Mit radikaler Offenheit thematisiert er Eros und Tod, Schmerz und existenzielle Bedrohung, er entblösst menschliche Gefühle und macht sich damit zum Angriffspunkt der Gesellschaft – Merkur/Pluto/Neptun, wobei Pluto der Mit-Herrscher des fünften Hauses ist.

Die Mond/Uranus-Opposition im Quadrat zur AC/Venus/Chiron in Krebs (Empfänglichkeit) zeugt von einer grossen Sensibilität und Sinn für Ästhetik, wobei Schieles wunder Punkt berührt wird. Dies zeigt auch eine Reihe von Selbstportraits (AC/Venus/Chiron): oft frontal, nackt, abgemagert; sein Körper wirkt überdimensional in die Länge gezogen, vor seiner Brust sind die Arme auf eigenartige, unnatürliche Weise verschränkt; markant sind seine langen, knöchrigen Hände und Finger, die Wangen sind eingefallen, die Knochen treten hervor.
Die Kreativitätachse 5/11 von Schieles Horoskop ist stark besetzt: Opposition zwischen Mars in Schütze und Merkur/Neptun/Pluto in Zwillinge besetzt. Dieser schöpferische, spannungsvolle Aspekt sowie das T-Quadrat zwischen Mond, Uranus und Venus/Chiron führen ihn direkt zum Expressionismus.

 

Die Heirat


Am 21. August 1914 findet eine Sonnenfinsternis in Konjunktion mit dem Radix-Saturn, der im dritten Haus steht und das siebte Haus regiert, statt: Kurz danach beginnt Schieles Interesse für seine Nachbarin (dritte Haus) Edith Harms. Es scheint, als ob er plötzlich das Bedürfnis hätte, eine anständige Frau aus dem Kleinbürgertum (DC Steinbock) zu heiraten – einen Lebenspartner für repräsentative Zwecken (Saturn im dritten Haus).

Schweren Herzens trennt sich Schiele im Frühjahr 1915 von Wally Neuzil. Edith Harms hatte diesen Schritt eindringlich von ihm gefordert, um schliesslich zu haben.
Dieses Ereignis ist auch prägend für Schieles Kunst. Er verarbeitet es im Gemälde „Tod und Mädchen” – einem der bekanntesten seiner Werke. Es zeigt Egon und Wally in Umarmung, sich noch immer als Paar empfindend. Doch die Blicke der beiden sind bereits starr, in sich gekehrt. Die Umarmung Wallys bietet gerade noch letzten Halt vor dem Auseinandergehen.
Am 17 Juni heiratet er Edith Harms. Danach wird er zum Wehrdienst eingezogen
Die Zeit in der Armee ist für den sensiblen Künstlern ein Schock. 1917 wird Schiele wieder nach Wien versetzt und hier hat er endlich Vorgesetzte, die ihn als Künstler wahrnehmen: er hat wieder Zeit für seine künstlerische Tätigkeit und er beginnt auch visionäre Projekte für die Nachkriegszeit auszudenken.
Am 6 Februar 1918 stirbt sein Förderer Gustav Klimt. Egon Schiele zeichnet ihn auf dem Totenbett. In einem Nachruf schreibt er: „Ein Künstler voll unglaublicher Vollendung. Ein Mensch voll seltener Tiefe. Sein Werk ein Heiligtum“.
Der Beginn des Jahres 1918 bringt für Schiele jedoch auch den grossen und lang ersehnten Durchbruch. Es gelingt ihm, fünf Ölgemälde und einige Zeichnungen zu verkaufen. Darunter befindet sich auch das Porträt seiner Frau Edith, das von der Österreichischen Galerie Belvedere angekauft wird – es ist sein erstes Gemälde das den Weg in ein Museum findet.

 

 

Der frühe Tod


Doch in Wien grassiert zu dieser Zeit die Spanische Grippe – sie rafft das junge Ehepaar dahin. Am 28 Oktober stirbt zuerst Edith, die schwanger ist. Egon Schiele zeichnet sie noch am Totenbett – es sollte seine letzte künstlerische Arbeit sein.
Der Künstler steckt sich wohl an seiner Frau an, und am 31. Oktober 1918 folgt ihr ins Grab. Seine letzten Worte sollten gewesen sein: Der Krieg ist aus – und ich muss geh’n. Meine Gemälde sollen in alle Museen der Welt gezeigt werden!

 

 

Schieles Solarhoroskop (Fig. 2) zeigt eine Sonne/Jupiter-Konjunktion am IC und am absteigenden Mondknoten, die ins zwölfte Radix-Haus fallt. Die Mondknoten stehen in Opposition zur Geburtsstelle – was im Solar oft wichtige, tragische Ereignisse ankündigt. Und kurz vorher, am 9. Juni, fand eine Sonnenfinsternis auf seiner Sonne statt. Der progressive Saturn bildete ein Quadrat zum Radix-Mars und der progressive Mars ein Quadrat zum Radix-Saturn. Am Todestag steht Jupiter am AC, Saturn kehrt auf seine Radix-Stellung zurück und Mars tritt in Opposition zur Sonne auf.

Sein erster Sammler Otto Benesch schreibt in seinem Buch: Er war nicht nur ein bildender Künstler sondern auch ein Lebenskünstler im vollsten Sinne des Wortes. Wenn in Wiener Kunstkritiker anlässlich der 25. Wiederkehr von Schieles Todestag schrieb: Sein kurzes Leben ist tragisch umdüstert, so gibt das einen ganz falschen Begriff von Schieles Lebensführung. MJD

 
 

Dieser Artikel wurde in der deutschsprachigen „Astrologie Heute”, in ihrer Ausgabe vom Oktober/November 2018, Nr 195 abgedruckt. All rights reserved

Fotos: Leopoldmuseum, Wien 2017, MJD. Quellen: Teksty towarzyszące wystawie prac Egona Schiele w Muzeum Leopolda (2017). Wikipedia, „Egon Schiele –fast mein ganzes Leben“, Kinderkatalog Egon Schiele – Egon Schiele Museum, Egon Schiele – neue Fälschungen und alte Missverständnisse – Sabine B. Vogel; Otto Benesch Mein Weg mit Egon Schiele, 1965.

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